Geschichte der Materialforschung

Materialien = "Werkstoffe" spielen seit jeher eine zentrale Rolle im Leben von Menschen. Sie sind Grundlage handwerklicher und technischer Produkte, Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, aber auch Ausdruck kulturellen Wirkens. Allein metallische Werkstoffe waren beispielsweise im Kontext der Industriellen Revolution für den Menschen zum Ende der Moderne von inhärenter Bedeutung und deren vielfältiger Einsatz bzw. Transformation in der modernen Maschinentechnik hat alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens für immer verändert. Der Facettenreichtum von Materialien, welcher in unzähligen Bereichen der modernen Industriegesellschaft zu finden ist, geht hierbei fast ausschließlich auf die Ergebnisse der Werkstoffforschung zurück. Diese hat sich dem Kaleidoskop der Materialien angenommen und fast täglich das werkstofftechnische Spektrum von Materialien  aufbereitet und weiter entwickelt.

Das Forschungsinteresse zur Geschichte der Materialforschung gilt vordergründig der Untersuchung von Werkstoffen im Kontext der Mensch-Technik-Interaktion in einem historisch-naturwissenschaftlichen Kontext. Dabei werden vorzugsweise nichtmetallische anorganische Werkstoffe und deren Basisstoffe in den Blick genommen. Zum einen künstliche Stoffe, wie Verbundwerkstoffe und Keramik und zum anderen pflanzliche Stoffe, wie Holz, Holzwerkstoffe oder Werkstoffe auf pflanzlicher Basis.

Laufende Projekte:

  • Montantechnische Expertise: werkstoff- und fördertechnische Exzellenz im Kontext wirtschaftlicher Bedürfnisse. Die Geschichte der Wismut AG / SDAG Wismut (Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut)

 

Eigene Publikationen zur Geschichte der Materialforschung:

Haka, Andreas (Im Erscheinen). Konstruierte Stabilität. Die Geschichte von Verbundwerkstoffen im 19. und 20. Jahrhundert.

Haka, Andreas, 2019. History of Climate Test Chambers and Outdoor Exposure Testing. In: Joseph D. Martin, Cyrus Mody, (Hg.). Tools in Materials Research, WSPC Encyclopedia of the Development and History of Materials Science. Volume I: Tools in Material Research. Part II: Invisible and Infrastructural Tools. 2.11. Singapur: World Scientific Publishing.

Haka, Andreas, 2019. History of Thermography. In: Joseph D. Martin, Cyrus Mody, (Hg.). Tools in Materials Research, WSPC Encyclopedia of the Development and History of Materials Science. Volume I: Tools in Material Research. Part IV: Tools for Characterizing Materials. 4.11. Singapur: World Scientific Publishing.

Haka, Andreas, 2017. Visionäre «beflügeln» Polymere: Verkannte Potentiale? Hybride Werkstoffe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Ferrum - Nachrichten aus der Eisenbibliothek. Künstliche Stoffe: Die synthetische Umformung der Welt. Nr. 89, S. 81-89.

Haka, Andreas, 2016. From the Greenhouse into the Fighter Bomber: How 'Metal Paper' Became the World's Thermal Insulator. In: The International Journal for the History of Engineering & Technology, Volume 86, Issue 2, pages 161-177. http://www.tandfonline.com/toc/yhet20/86/2?nav=tocList

Haka, Andreas, 2012. Geschichte der Faserverbundwerkstoffe. Entwicklung von faserverstärkten Kunststoffen in der deutschen Luftfahrt. FL 13 000-03. In: LTH-Koordinierungsstelle (Hg.): Luftfahrttechnisches Handbuch. Ottobrunn, S. 1-27.

Haka, Andreas, 2011. Flügel aus „Schwarzem Gold“. Zur Geschichte der Faserverbundwerkstoffe. In: NTM. Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin, (19) (1), 69-105. http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00048-011-0047-4

Wissenschaftliche Netzwerke - Netzwerkanalyse (Digital Humanities) / Digitale Lehrformate

Der Einblick in soziale Netzwerke eröffnen ein breites Untersuchungsspektrum, durch vielfältige Deutungsebenen und Einsichten. Netzwerkbasierte Forschung ist mittlerweile ein fester Bestandteil in einer Vielzahl von historischen Disziplinen und reicht von der Wissenschafts-, Kultur-, Wirtschafts-, und Sozialgeschichte bis hin zu neuartigen Ansätzen in den Digital Humanities reicht.

Die Bedeutungsinhalte von Netzwerken reichen von positiv, im Sinne von Freundschafts- und Verwandschaftsbeziehungen, bis hin zu negativ, wenn von „Seilschaften“ gesprochen wird. Letztendlich kann ein Netzwerk von Weitem betrachtet als Einheit wahrgenommen werden bzw. bei eingehender Analyse in der Regel filigrane Strukturen und Interaktionen offenbaren. Diesem Weg der Analyse einzelner sozialer Interaktionen und der Wirkung auf ihre Umgebung, den daraus erwachsenden Handlungsintentionen und Dynamiken für Gruppen sowie von deren prägender Wirkung auf ein Umfeld soll hier insbesondere im Bereich der Geschichte nachgegangen werden.

In diesem Kontext erwachsen für die Fachdisziplin Geschichte eine Vielzahl von Fragen, wie z.B. Wie verhält sich die Netzwerkanalyse zu anderen Methoden der Geschichtsforschung? Was ist der Mehrwert von Netzvisualisierungen und -berechnungen? Wie wird mit der Inhomogenen Quellenlage umgegangen?

Nicht erst in den letzten Semestern wird auch der Frage nachgegangen, wie digitale Arbeitsweisen Online effektiv vermittelbar sind. Hierbei steht insbesondere das arbeiten als Team an einem oder mehreren digitalen Projekten im Vordergrund.

Das Interesse richtet zum einen auf die Untersuchung des sozialen Umfeldes verschiedener Akteure der Wissenschafts- und Technikgeschichte und zum anderen auf das interagieren ganzer Fachdisziplinen. Hierbei kommen u.a. auch Untersuchungstechniken und Werkzeuge aus dem Bereich der Digitalen Geisteswissenschaften (Digital Humanities), wie z.B. die historische Netzwerkanalyse und deren Visualisierung zur Anwendung. Insbesondere wird hierbei zur Vermittlung von digitalen Lehrformaten geforscht, um Studierende zu befähigen als Team an entsprechenden Themen arbeiten zu können.

Eigene Publikationen zur Geschichte von Wissenschaftlichen Netzwerken - Netzwerkanalyse (Digital Humanities) - Digitale Lehrformate:

Haka, Andreas, 2018. Die Erdrotation im Fokus. Die lokale und globale Institutionalisierung der planetaren Geodäsie im 19. Jahrhundert. In: Sudhoffs Archiv. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte Band 102, Heft 2, S. 146-171.

Haka, Andreas, 2018. Datenaufbereitung und –verwertung im Rahmen der historischen Netzwerkanalyse am Beispiel der deutschen Schiffbauforschung 1920-1960. In: Peggy Bockwinkel, Beatrice Nickel, Gabriel Viehhauser (Hg.), Digital Humanities. Perspektiven der Praxis. Berlin, S. 181-205.

Haka, Andreas, 2014. Soziale Netzwerke im Maschinenbau an deutschen Hochschul- und außeruniversitären Forschungseinrichtungen 1920-1970. Berlin. http://www.logos-verlag.de/cgi-bin/engbuchmid?isbn=3695&lng=deu&id=

Astronomische Geodäsie und wissenschaftliche Landerkundung zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert

Im ausgehenden 18. Jahrhundert hatte das Zusammenspiel der gezielten Anwendung von mechanischen Mess- und Beobachtungsgeräten, wie z.B. dem Fernrohr, der Pendeluhr und dem Mikrometer, genauere Messergebnisse erzielt, wie z.B. bei Schweremessungen oder Meridianbogenmessungen mittels Pendelapparaten. Darüber hinaus war das massive Interesse der staatlichen Landerkundung im Kontext der Kolonialpolitik und im Zuge der Industriealisierung Katalysator, welcher unter anderem die moderne Geodäsie formte. Wird hier noch der astronomische Raum eingebracht, verbinden sich diese Disziplinen über das gemeinsam genutzte Äquatorial-Koordinatensystem. Das daraus entstehende Grenzgebiet wird als Geodätische Astronomie bezeichnet und fokussiert in erster Linie den Zustand, die Größe und die Bewegung des Planten Erde.

Die Forschung in diesem Themengebiet richtet sich auf die Entwicklung der Geodätischen Astronomie, wobei sowohl die Vernetzung und die theoretische Modellbildung astronomisch-geodätischer Aspekte, als auch interdisziplinäre bzw. internationale Verschränkungen der Geodätischen Astronomie im Untersuchungszeitraum von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne betrachtet werden. Gleichfalls wird der damit einhergehende wissenschaftliche Gerätebau als ein Schwerpunkt fokussiert.

Eigene Publikationen zur Geschichte der Astronomischen Geodäsie und wissenschaftlichen Landerkundung:

Haka, Andreas, 2018. Die Erdrotation im Fokus. Die lokale und globale Institutionalisierung der planetaren Geodäsie im 19. Jahrhundert. In: Sudhoffs Archiv. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte Band 102, Heft 2, S. 146-171.

Haka, Andreas, 2015. History of the International Earth Rotation and Reference Systems Service. The start-up phase and the establishment of International Latitude Service at the end of the 19th century. In: http://www.iers.org/SharedDocs/Publikationen/EN/IERS/Documents/History_ILS.pdf

Haka, Andreas, 2015. Global Player der Geodäsie. Der Begründer der modernen Erdvermessung ist Ehrendoktor der Universität Stuttgart. In: Forschung Leben. Das Magazin der Universität Stuttgart, S. 80.

Haka, Andreas, 2015. Ein Dresdner Absolvent etablierte das erste internationale Forschungsnetzwerk in der Planetaren Geodäsie, 2015. In: Dresdner Universitätsjournal. Jg. 26, Nr. 14, S. 7.

Haka, Andreas, 2015. Berlin wird zum Weltzentrum der Planetaren Geodäsie. Zum 100. Todestag von Prof. Dr. phil. Dr.-Ing. E.h. Carl Theodor Albrecht. In: zfv - Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. 140. Jhg., Heft 4,2015, S. 255-256.

Entwicklung wissenschaftlicher Geräte und Instrumente von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne

Wissenschaftliches Gerät war seit jeher ein unverzichtbares Instrumentarium für Gelehrte und Forscher, die praktische Versuche durchzuführen hatten. Gleichfalls war es aber auch Statussymbol, welches nicht nur durch schmückendes Beiwerk den Stand des Besitzers und den Zeitgeschmack verriet. Ein Beispiel hierfür ist die Äquatoriale Reisesonnenuhr von Andreas Vogler aus Augsburg (um 1770). Mit der zunehmenden Mobilität im Zusammenhang von Expeditionen und Forschungsreisen kamen zwei weitere Anspruchskriterien hinzu, die praktische Funktionalität und die Belastbarkeit der Instrumente. Das letzte Kriterium stellt einen entscheidenden Umbruch im Geräte- und Instrumentenbau dar, was sich bis in die Methodik bzw. Handhabung der Instrumente und Geräte fortpflanzte.

Das Forschungsinteresse in diesem Feld richtet sich vorrangig auf das Gebiet wissenschaftlicher Instrumente und Geräte von Forschungsreisenden. Dabei wird vergleichend standortgebundenes und bewegliches Instrumentarium in den Blick genommen und sowohl die Frage nach der wissenschaftlichen Funktionalität, als auch dem ästhetischen Anspruch untersucht. Ziel ist es hierbei u.a. herauszufiltern, inwieweit der Wandel des Instrumentenbaues für den Forschungsreisenden den Diskurs zu wissenschaftlicher Methodik angeregt bzw. geändert hat.