Geschichte der Materialforschung

Materialien = "Werkstoffe" spielen seit jeher eine zentrale Rolle im Leben von Menschen. Sie sind Grundlage handwerklicher und technischer Produkte, Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, aber auch Ausdruck kulturellen Wirkens. Allein metallische Werkstoffe waren beispielsweise im Kontext der Industriellen Revolution für den Menschen zum Ende der Moderne von inhärenter Bedeutung und deren vielfältiger Einsatz bzw. Transformation in der modernen Maschinentechnik hat alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens für immer verändert. Der Facettenreichtum von Materialien, welcher in unzähligen Bereichen der modernen Industriegesellschaft zu finden ist, geht hierbei fast ausschließlich auf die Ergebnisse der Werkstoffforschung zurück. Diese hat sich dem Kaleidoskop der Materialien angenommen und fast täglich das werkstofftechnische Spektrum von Materialien  aufbereitet und weiter entwickelt.

Das Forschungsinteresse zur Geschichte der Materialforschung gilt vordergründig der Untersuchung von Werkstoffen im Kontext der Mensch-Technik-Interaktion in einem historisch-naturwissenschaftlichen Kontext. Zwei Themenfeldern bilden hierbei einen besonderen Forschungsschwerpunkt. Zum einen die Entwicklung von Hybridwerkstoffen und zum anderen die theoretische Auseinandersetzung mit Materialeigenschaften bzw. deren Transformation in Materialmodellen. Hierbei richtet sich der Forschungsfokus im Besonderen auf die Materialtheorie als Teilaspekt der Kontinuumsmechanik im Untersuchungszeitraum von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne.

Haka, Andreas, 2017. Visionäre «beflügeln» Polymere: Verkannte Potentiale? Hybride Werkstoffe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Ferrum - Nachrichten aus der Eisenbibliothek. Künstliche Stoffe: Die synthetische Umformung der Welt. Nr. 89, S. 81-89.

Haka, Andreas, 2016. From the Greenhouse into the Fighter Bomber: How 'Metal Paper' Became the World's Thermal Insulator. In: The International Journal for the History of Engineering & Technology, Volume 86, Issue 2, pages 161-177. http://www.tandfonline.com/toc/yhet20/86/2?nav=tocList

Haka, Andreas, 2012. Geschichte der Faserverbundwerkstoffe. Entwicklung von faserverstärkten Kunststoffen in der deutschen Luftfahrt. FL 13 000-03. In: LTH-Koordinierungsstelle (Hg.): Luftfahrttechnisches Handbuch. Ottobrunn, S. 1-27.

Haka, Andreas, 2011. Flügel aus „Schwarzem Gold“. Zur Geschichte der Faserverbundwerkstoffe. In: NTM. Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin, (19) (1), 69-105. http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00048-011-0047-4

Konstruierte Stabilität - werkstofftechnische Entwicklung und konstruktive Anwendung von Hybridwerkstoffen im 20. Jahrhundert

Habilitationsschrift in Vorbereitung

Hybridwerkstoffe, welche aus unterschiedlichen Einzelkomponenten bestehen, sind mittlerweile zentraler Bestandteil von Werkstoffkonzepten verschiedener Industriebranchen. Nachdem durch mehrere Jahrhunderte hindurch metallische Werkstoffe der Inbegriff von Festigkeit und werkstofftechnischer Härte waren und Hybridwerkstoffe als Konstruktionswerkstoffe kaum Beachtung fanden, sogar später streckenweise auch als „Ersatzstoffe“ fehlinterpretiert wurden, änderte sich dies spätestens an der Schwelle zum 21. Jahrhundert.

Obwohl verschiedene Ansätze zum Einsatz von Hybridwerkstoffen, wie z.B. kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (CFK) oder Glasfaserverstärktes Aluminium (GLARE©) heute als visionär wahrgenommen werden, liegt die Entwicklung dieser Hybridwerkstoffe komplett im Dunkeln.

Ziel dieses Habilitationsprojektes ist es, werkstofftechnische Forschungs- und Entwicklungsstrategien zu hybriden Werkstoffen im 20. Jahrhundert zu untersuchen und die frühe Suche nach Anwendungsfeldern für diese „Baukastenwerkstoffe“ zu beleuchten. Gleichfalls werden in diesem Zusammenhang die Emanzipationsbemühungen von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren kontrastiert, welche bereits frühzeitig versuchten, Hybridwerkstoffe als neue Werkstoffgruppe für das Design technischer Produkte gegen den Widerstand von „klassischen metallischen Konstruktionswerkstoffen präferierenden“ Kollegen und Unternehmen zu etablieren.

Historische Netzwerkforschung und Visualisierungskonzepte von Netzwerken

Die historische Netzwerkforschung greift grundlegende Annahmen, Verfahren und Analysemethoden der klassischen sozialen Netzwerkanalyse bzw. der Netzwerktheorie auf und passt diese problemspezifisch an. Mit diesem Untersuchungsinstrument wird die Möglichkeit eröffnet neue Einsichten und Deutungsebenen zu erschließen, welche über die bisher übliche deskriptive Untersuchung, beispielsweise im Bereich von historischen Akteurskonstellationen, hinausgeht. Hierbei rückt vermehrt die Beziehung zwischen den jeweiligen Akteuren, Gruppen oder Organisationen zunächst in den Mittelpunkt, was anschließend die Möglichkeit einräumt, nicht nur den einzelnen Akteur differenzierter zu beleuchten, sondern auch weiterreichende Zusammenhänge zu erschließen. Die Visualisierung von Netzwerken stellt neben der eigentlichen Analyse von Beziehungen innerhalb des Netzwerkes ein wichtiges Mittel zur Verdeutlichung der zumeist komplexen Verflechtungen dar, welche sich vielfach, gerade bei größeren Netzwerken, nur schwer vermitteln lassen.

Das Interesse an der historischen Netzwerkforschung gilt vordergründig der Untersuchung von Akteuren, Gruppen, Organisationen oder Institutionen aus Bereichen von Naturwissenschaft, Technik, Medizin und der Wirtschaft. In diesem Kontext gilt auch ein besonderer Forschungsschwerpunkt dem Themenfeld der Visualisierung bzw. digitalen Aufbereitung von Netzwerken.

Haka, Andreas, 2014. Soziale Netzwerke im Maschinenbau an deutschen Hochschul- und außeruniversitären Forschungseinrichtungen 1920-1970. Berlin. http://www.logos-verlag.de/cgi-bin/engbuchmid?isbn=3695&lng=deu&id=

Astronomische Geodäsie und wissenschaftliche Landerkundung zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert

Im ausgehenden 18. Jahrhundert hatte das Zusammenspiel der gezielten Anwendung von mechanischen Mess- und Beobachtungsgeräten, wie z.B. dem Fernrohr, der Pendeluhr und dem Mikrometer, genauere Messergebnisse erzielt, wie z.B. bei Schweremessungen oder Meridianbogenmessungen mittels Pendelapparaten. Darüber hinaus war das massive Interesse der staatlichen Landerkundung im Kontext der Kolonialpolitik und im Zuge der Industriealisierung Katalysator, welcher unter anderem die moderne Geodäsie formte. Wird hier noch der astronomische Raum eingebracht, verbinden sich diese Disziplinen über das gemeinsam genutzte Äquatorial-Koordinatensystem. Das daraus entstehende Grenzgebiet wird als Geodätische Astronomie bezeichnet und fokussiert in erster Linie den Zustand, die Größe und die Bewegung des Planten Erde.

Die Forschung in diesem Themengebiet richtet sich auf die Entwicklung der Geodätischen Astronomie, wobei sowohl die Vernetzung und die theoretische Modellbildung astronomisch-geodätischer Aspekte, als auch interdisziplinäre bzw. internationale Verschränkungen der Geodätischen Astronomie im Untersuchungszeitraum von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne betrachtet werden. Gleichfalls wird der damit einhergehende wissenschaftliche Gerätebau als ein Schwerpunkt fokussiert.

Haka, Andreas, 2015. History of the International Earth Rotation and Reference Systems Service. The start-up phase and the establishment of International Latitude Service at the end of the 19th century. In: http://www.iers.org/SharedDocs/Publikationen/EN/IERS/Documents/History_ILS.pdf

Haka, Andreas, 2015. Global Player der Geodäsie. Der Begründer der modernen Erdvermessung ist Ehrendoktor der Universität Stuttgart. In: Forschung Leben. Das Magazin der Universität Stuttgart, S. 80.

Haka, Andreas, 2015. Ein Dresdner Absolvent etablierte das erste internationale Forschungsnetzwerk in der Planetaren Geodäsie, 2015. In: Dresdner Universitätsjournal. Jg. 26, Nr. 14, S. 7.

Haka, Andreas, 2015. Berlin wird zum Weltzentrum der Planetaren Geodäsie. Zum 100. Todestag von Prof. Dr. phil. Dr.-Ing. E.h. Carl Theodor Albrecht. In: zfv - Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. 140. Jhg., Heft 4,2015, S. 255-256.

Geschichte des Maschinenbaues und der Ingenieurwissenschaften

Der Maschinenbau als Hauptleistungsträger der deutschen Wirtschaft des 20. Jahrhunderts ist trotz einiger spartenspezifischer Erkundungen nach wie vor ein Themenfeld, dessen Entwicklung und vor allem dessen Vernetzung mit anderen Fachdisziplinen, der Industrie, Hochschulen und der Politik gerade im 20. und 21. Jahrhundert bisher kaum untersucht wurde. Dies gilt im besonderen Maß auch für dessen Handlungsträger und ihr Interagieren im Kontext gesellschaftlicher Strömungen. Hierbei stellt die Wissenstradierung einen wichtigen Schwerpunkt im Verständnis ingenieurtechnischer Leistungen dar. Die Facetten von expliziten und impliziten Wissen von Ingenieuren und deren Handlungsintensionen im Kontext der Schaffung von technischem Gerät ist bisher nur spärlich untersucht worden.

Das Forschungsinteresse konzentriert sich in diesem Themenfeld vor allem auf die Untersuchung des Maschinenbaues und der Maschinenbauforschung als Einheit und nicht nur auf die Entwicklung einzelner Sparten. Gleichfalls gilt es den Berufsstand des Ingenieurs, seiner Wissensakkumulation, aber auch seiner Kopplung an weitere technische Akteure und Vertreter anderer Disziplinen zu untersuchen. Dabei nimmt das Forschungsinteresse auch andere Ingenieurdisziplinen in den Blick, auch wenn deren Entwicklung fachspezifisch zwangsläufig eigene Dynamiken und Charakteristika aufweist.

Haka, Andreas, 2014. Soziale Netzwerke im Maschinenbau an deutschen Hochschul- und außeruniversitären Forschungseinrichtungen 1920-1970. Berlin. 2014. http://www.logos-verlag.de/cgi-bin/engbuchmid?isbn=3695&lng=deu&id=

Haka, Andreas, 2014. Prosopographische Datenbank von Maschinenbauern an deutschen Hochschul- und außeruniversitären Forschungseinrichtungen des 19. und 20. Jahrhunderts (PDM) - abrufbar unter: http://www.uni-stuttgart.de/hi/gnt/pdm/

Entwicklung wissenschaftlicher Geräte und Instrumente von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne

Wissenschaftliches Gerät war seit jeher ein unverzichtbares Instrumentarium für Gelehrte und Forscher, die praktische Versuche durchzuführen hatten. Gleichfalls war es aber auch Statussymbol, welches nicht nur durch schmückendes Beiwerk den Stand des Besitzers und den Zeitgeschmack verriet. Ein Beispiel hierfür ist die Äquatoriale Reisesonnenuhr von Andreas Vogler aus Augsburg (um 1770). Mit der zunehmenden Mobilität im Zusammenhang von Expeditionen und Forschungsreisen kamen zwei weitere Anspruchskriterien hinzu, die praktische Funktionalität und die Belastbarkeit der Instrumente. Das letzte Kriterium stellt einen entscheidenden Umbruch im Geräte- und Instrumentenbau dar, was sich bis in die Methodik bzw. Handhabung der Instrumente und Geräte fortpflanzte.

Das Forschungsinteresse in diesem Feld richtet sich vorrangig auf das Gebiet wissenschaftlicher Instrumente und Geräte von Forschungsreisenden. Dabei wird vergleichend standortgebundenes und bewegliches Instrumentarium in den Blick genommen und sowohl die Frage nach der wissenschaftlichen Funktionalität, als auch dem ästhetischen Anspruch untersucht. Ziel ist es hierbei u.a. herauszufiltern, inwieweit der Wandel des Instrumentenbaues für den Forschungsreisenden den Diskurs zu wissenschaftlicher Methodik angeregt bzw. geändert hat.

Bildwissenschaft; die Darstellung von Personen, Techniken und Geräten aus Naturwissenschaft, Technik und Medizin in der Bildenden Kunst

"Die Anatomie des Dr. Tulp" (1632) von Rembrandt van Rijn, das "Porträt von Johann Reinhold Forster und seinem Sohn Georg Forster auf Tahiti" (1780) von John Francis Rigaud oder das "Urwaldlaboratorium am Orinoco" (1850) von Eduard Ender, um nur einige Werke zu nennen, sind nicht nur von kunsthistorischer Bedeutung, sondern stellen auch Bildquellen für die Wissenschaftsgeschichte dar. Die von Malern entweder als Auftragsarbeit oder einfach als ein festgehaltener Eindruck, zeitgenössischer Begegnungen mit einem aktiven Forscher, Forschungsobjekten, deren Wirkungsstätten oder Begegnungsorten geschaffen worden, geben einen interessanten Einblick in die wissenschaftliche Arbeit unterschiedlicher Fachdisziplinen verschiedener Zeitabschnitte. Die Untersuchung dieser Bildquellen, welche nicht selten zwischen künstlicherischer Interpretation und realistischer Wiedergabe einer Forschungspraxis angesiedelt waren, sind bisher kaum systematisch untersucht und fachthematisch erschlossen worden.

Das Forschungsinteresse in diesem Themenfeld liegt sowohl auf der Deutung von wissenschaftlichen Fragestellungen der abgebildeten Akteure, deren möglichen Interagierens mit ihrem Untersuchungsgegenstand, deren Instrumentariums, aber auch deren kulturellen Verständnisses und der Deutung der Position von wissenschaftlichen Akteuren aus den Bereichen Naturwissenschaft, Technik und Medizin, welche durch den Künstler dem Betrachter des Bildes übermittelt wird.

Entwicklung der Siedlungswasserwirtschaft (insb. Wasser- und Abwasserversorgungssysteme sowie Funktionsbauten; Vergleich: Nordamerika–Europa)

Die zum Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Industrialisierung expandierenden Städte wurden, vornehmlich in Ballungsgebieten, sowohl in Nordamerika als auch in Europa vor erhebliche hygienische Probleme gestellt. Während in Europa über weite Strecken auf alte ausgebaute urbane Strukturen im Bereich der Siedlungswasserwirtschaft zurückgegriffen werden konnte, welche es zu modernisieren, erweitern bzw. konzeptionell umzugestalten galt, verfügte Nordamerika in den meisten Fällen nur über kleine städtische Konzepte, welche aus der Zeit der ersten Siedlungen stammten. Die aus diesen Missständen nicht selten hervorgegangenen Krankheiten und Epidemien in den neuen Großstädten, waren die Grundlage für einen strukturellen Wandel im Hinblick auf die mediale Grundversorgung wachsender Städte und sind bis heute prägend für das Leben in Ballungsgebieten.

Das Forschungsinteresse im Themenfeld der Siedlungswasserwirtschaft richtet sich vorrangig auf Fragen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und Müllbeseitigung in dem Zeitraum des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Im Besonderen soll der Entwicklung konzeptioneller Fragen im Kontext eines expandierenden urbanen Zusammenlebens als Folge der Industrialisierung nachgegangen werden. In einer vergleichenden Untersuchung zwischen Nordamerika und Europa sollen hierbei Themen hygienischer Standards im Zuge humanitärer, medizinischer und bautechnischer Maßnahmen untersucht werden.